handwerk Schleswig-Holstein e.V.

Das Handwerk - Die Wirtschaftsmacht von nebenan

Handwerk kritisch: Zusätzlicher Feiertag kostet das Handwerk mindestens 30 Mio. Euro!

Dass die Chefs der norddeutschen Bundesländer sich gestern auf einen zusätzlichen Feiertag geeinigt haben, löst nicht überall Begeisterung aus. So erklärt Thorsten Freiberg, Präsident des Verbandes Handwerk Schleswig-Holstein e.V.: „Wer einen neuen Feiertag dauerhaft einführen will, muss erklären, wer am Ende die Kosten tragen soll. Wir lehnen einen dauerhaften zusätzlichen Feiertag ab, solange nicht klar ist, wer das am Ende bezahlen soll. Der Staat? Die Arbeitnehmer? Oder am Ende der Arbeitgeber?"

Freiberg erläutert als Vertreter der schleswig-holsteinischen Handwerksbetriebe die Kostensituation. „Wir sprechen allein im Handwerk von mindestens 30 Mio. Euro pro Jahr nur auf der Arbeitnehmerseite, die bisher auch die Arbeitgeber zahlen müssten. Der Umsatzverlust käme noch dazu, und das macht 0,2 Prozent weniger Wachstum.“ Im Durchschnitt verdienten Handwerker in Schleswig-Holstein 2500,- Euro brutto. Ein Arbeitstag weniger mache etwa 0,5 Prozent weniger Arbeitszeit pro Jahr aus, dies entspricht also 150 Euro,- pro Arbeitnehmer pro Jahr.
 
Angesichts der derzeitigen bundespolitischen Debatte um die paritätische Gesundheitsfinanzierung müsse man mit Augenmaß handeln. Denn das könne weitere 0,5 Prozent ausmachen. Freiberg: „So landen wir schnell bei einem Prozent, und das bedeutet in Summe, dass die Arbeit im schleswig-holsteinischen Handwerk von heute auf morgen um 60 Mio. Euro teurer würde als bisher! Es stellt sich die Frage, wer das bezahlen soll?“  
 
Zur Gerechtigkeitsdebatte und der Mehrzahl der Feiertage in anderen Bundesländern sagte Freiberg: „Schleswig-Holstein ist klein- und mittelständisch geprägt. Hier packen die Leute noch selber an. Hier fehlt z.B. eine Autoindustrie völlig, die eine hohe Wertschöpfung produziert, auch ohne dass da ständig Menschen am Band stehen. Das macht es dort erst möglich, mehr Feiertage zu haben!“ Die Argumentation, es würden auch im Norden keine wirtschaftlichen Nachteile durch einen zusätzlichen Feiertag entstehen, könne das Handwerk nicht nachvollziehen. Erst recht, wenn man bedenke, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bei uns im Norden knapp 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt und sogar rund 30 Prozent unter dem in Bayern liegt.