handwerk Schleswig-Holstein e.V.

Das Handwerk - Die Wirtschaftsmacht von nebenan

Handwerk sieht schwächere Wirtschaft im Land – Freiberg: „Jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen!“

Vor rund 150 Gästen des Sommerempfangs von Handwerk Schleswig-Holstein e.V. sagte Präsident Thorsten Freiberg am Mittwochabend (28. August) mit Blick auf die Auslastung der Baubranche: „Wir haben insgesamt keine schlechten Zahlen, sehen aber mit Sorge ein großes Minus von 19 Prozent im Gewerbe- und Industriebau.“ Dies sei ein Indikator für eine offenbar insgesamt schwächer werdende Wirtschaft, so Freiberg, die infolge dessen weniger Bauaufträge vergebe. Auch wenn der private Wohnungsbau und der Straßenbau vieles ausglichen, müsse man achtsam bleiben. Er forderte in diesem Zusammenhang die Politik auf, Bürokratie weiter abzubauen und die Hürden für Auftragsvergaben so niedrig wie möglich zu halten. „Gleichwohl ist Schleswig-Holstein hier dank seiner engagierten Abgeordneten sowie einer mitdenkenden und plietschen Landesregierung auf einem sehr guten Weg“, lobte er.

Was bürokratische Hürden betreffe, so könne er aus der Praxis zahlreiche Beispiele nennen. So seien etwa Elektroarbeiten deutlich teurer geworden, seit es die Forderung nach Absicherung eines jedes einzelnen Stromkreises gibt. Das bedeute teilweise bis zu 20 gesicherte Kreise. Auch der zwingende Einbau eines Überspannungsschutzes oder die Notwendigkeit, jeden Raum einzeln zu temperieren, seien gute Beispiele, ebenso ein sehr aufwändiger Luftdichtheitstest oder ein Wärmeschutznachweis. Bei Nichtvorhandensein einer zentralen Regenwasserbeseitigung zum Beispiel werde ein Nachweis der Versickerungsfähigkeit des Bodens durch ebenfalls sehr aufwändige Bodengutachten und hydraulische Berechnungen gefordert. Freiberg: „All dies sind Beispiele, wo wir Praktiker sagen - das geht auch mit deutlich weniger Papierkram, ohne das Ziel oder das Ergebnis zu beeinträchtigen!“

Am Herzen lag Freiberg in seiner Rede auch ein funktionierendes Gemeindewirtschaftsrecht beziehungsweise eine gelingende Reform dieses Rechts: „Wir brauchen hier schnell eine tragfähige Lösung und klare Regelungen, die für unsere Handwerker keine Nachteile durch kommunale Konkurrenz bedeuten.“ Es dürfe nicht sein, dass unter dem Deckmantel der - an sich richtigen – Energiewende kommunale Energieversorgungsunternehmen ihre Geschäftsfelder um klassische Handwerkstätigkeiten erweitern und damit den Handwerksbetrieben das Wasser abgraben. Freiberg: „Dagegen wehren wir uns mit aller Macht! Die private Leistungserbringung muss Vorrang haben!“ Die öffentliche Hand müsse sich auf Kernbereiche der Daseinsvorsorge beschränken.

Innenminister Hans-Joachim Grote ging auf den neuen, 276 Seiten starken Landesentwicklungsplan ein. Dieser zeichne sich vor allem durch Freiraum aus. „Wir alle wissen nicht, wie die Welt in 10 oder 20 Jahren aussieht – deshalb wollen wir nicht alles abschließend reglementieren, was in kurzer Zeit schon wieder hinfällig sein könnte“, sagte der Minister.

Erstmalig und bundesweit einzigartig beinhalte der Landesentwicklungsplan daher eine Experimentierklausel, so Grote: „Wir wollen weg von Verboten und Geboten, wir wollen Mut im Land wecken und die Bereitschaft fördern, neue Wege zu gehen! Wir können als Land nur erfolgreich bleiben, wenn wir so wenig wie möglich vorschreiben und Innovationen fördern.“ Wer sage denn, dass nicht zum Beispiel an der Westküste so etwas wie ein Silicon Valley entstehen könnte?

Durch die Digitalisierung verliere Entfernung an Bedeutung, „und wir werden zukünftig in viel komplexeren Räumen denken müssen“. Die Wirtschaft und insbesondere das Handwerk seien hier wichtige Partner, auf die das Land baue.

Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB-SH), skizzierte Entwicklungsperspektiven für das schleswig-holsteinische Handwerk und rief dazu auf, Zeiten guter Konjunktur für Weichenstellungen zu nutzen. Er wies auf die vielfältigen Förderprogramme für Betriebe im Lande hin: „Die Palette der Förderangebote der IB.SH reicht von der unentgeltlichen und neutralen Beratung durch unsere Förderlotsen über günstige Förderdarlehen wie den IB.SH Mittelstandskredit bis zu Zuschüssen wie der Meistergründungsprämie. Jeder Betrieb in Schleswig-Holstein ist uns mit seinem Anliegen herzlich willkommen“, so Westermann-Lammers.